Speakerinnen* Blog

Keine Chance für all-male-Panels

David Hasselhoff steht seit einiger Zeit nicht mehr nur für Baywatch und Knight Rider sondern auch für Podien, auf die der Veranstalter ausschließlich oder zu viele Männer eingeladen laden hat. So wie jüngst die ZEIT, die zum Thema „Nach Paris: Vom Klimavertrag zum Klimaschutz“ 18 Männer zu Grußworten, Keynotes und Plenumsdiskussionen im Programm hat. Den zwei Frauen im Programm bleibt die Moderation der Veranstaltung, die am 29. September 2016 in Berlin stattfindet.

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Ärgern tun sich darüber Menschen, die solche Veranstaltungen unter anderem in der 50-Prozent-Datenbank von Speakerinnen.org dokumentieren. So auch Marie-Luise Abshagen, die in einem LeserInnen-Brief und mittlerweile mit einer eigenen Online-Petition gegen dieses Vorgehen protestiert und die Zeit auffordert, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihren Veranstaltungen umzusetzen.

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Speakerinnen.org hat mit Marie-Luise Abshagen über ihre Beweggründe und die Petition gesprochen:

Marie-Luise, wie bist Du auf die Veranstaltung der ZEIT aufmerksam geworden?

Die ZEIT hat für die Veranstaltung in ihrer Ausgabe Nr. 38 geworben, mit einer großen Anzeige. Da ich mich immer über reine Männerpanels ärgere, ist mir das sofort aufgefallen. Ich habe davon dann direkt ein Foto gemacht und es mit Freundinnen geteilt, die es ebenfalls unmöglich finden. Vor allem weil das Thema der Konferenz Klima und Energie ist – als ob Frauen dazu nicht sprechen könnten. Der Ärger darüber ist dann langsam in mir gewachsen und irgendwann dachte ich mir, nein, ich will mich darüber nicht mehr nur im Stillen ärgern.

Es gibt jede Menge so genannter all-male-Panels, auf denen fast ausschließlich Männer diskutieren - wir dokumentieren eine Vielzahl von ihnen in unserer 50-Prozent-Datenbank. Was ärgert Dich besonders an dieser Podiumszusammensetzung?

Im Falle der ZEIT-Konferenz ärgert es mich, dass die Veranstaltung von einem Tochterunternehmen der ZEIT organisiert wurde. Eine Zeitung hat die Pflicht, gesellschaftliche Debatten wiederzugeben und kann gleichzeitig Meinungen beeinflussen. So eine Veranstaltung, die dann auch noch in der ZEIT beworben wird, suggeriert, dass es ok und normal ist, Frauen keinen Raum in Debatten zu geben. Es fehlt bei den Veranstalter_innen offensichtlich komplett am Verständnis, dass eine diverse Panelbesetzung einfach eine Selbstverständlichkeit sein sollte und zur Qualität von Veranstaltungen nur beitragen kann.

Besonders dreist finde ich eine reine Männerbesetzung beim Thema Klima und Energie. Frauen sind bekanntermaßen überproportional stark vom Klimawandel betroffen und sind gleichzeitig ein wichtiger Faktor in dessen Bekämpfung.

Und nicht zuletzt: Ich könnte aus dem Stehgreif einige fitte Frauen nennen, die sich kompetent zu dem Thema äußern können.

Du hast am 16. September mit einem offenen LeserInnen-Brief gegen dieses Diskussionszusammensetzung protestiert. Was ist darauf hin passiert?

Es war wirklich ein tolles Ergebnis, dass sich innerhalb von gut eineinhalb Tagen über 90 Menschen gefunden haben, die den Leser_innenbrief unterzeichnet haben. Ich habe viel Feedback bekommen, das mir gezeigt hat, dass es einfach alle nervt, und zwar alle Geschlechter, wenn Panels so eindimensional besetzt werden.

Den Brief habe ich an die Leserinnenbriefredaktion sowie die Veranstalterinnen geschickt. Leider wurde der Brief nicht abgedruckt, weder in der gedruckten Ausgabe noch online. Auch die Veranstal-ter_innen haben sich nicht gemeldet. Ich habe lediglich von der Leiterin Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen der ZEIT eine Antwort erhalten, die zusammengefasst sagt, man habe keine Rednerinnen gefunden, bei anderen Konferenzen wäre die Verteilung besser und die ZEIT setze sich an anderer Stelle vielfach für Geschlechtergerechtigkeit ein. Ich finde diese Antwort extrem unbefriedigend, da sie mal wieder die Ausrede vorschiebt, es gäbe keine Frauen, die sprechen könnten oder wollten. Und sie auch sonst nicht richtig ist, bei ZEIT-Konferenzen herrscht, wie ich nun nachgeschaut habe, fast immer eine extrem eindimensionale Panelbesetzung.

Das alles hat mich dann dazu ermutigt, eine Online-Petition zu starten, die Die ZEIT dazu auffordert, sich öffentlich dafür einsetzen, dass auf ihren Konferenzen ein ausgeglichenes Geschlechterproporz herrscht. Und dass sie eine entsprechende Geschlechterrepräsentanz auf den Podiumsdiskussionen umsetzt. Keine Ausreden mehr für Panels ohne Frauen!

Ich hoffe, damit kann noch mehr Aufmerksamkeit für die Panelbesetzung der ZEIT-Konferenzen geleitet werden und auch in anderen Institutionen eine entsprechende Debatte losgetreten werden. Die Konferenz am 29. September hat übrigens den Hashtag #zkek.

Glaubst Du, es gibt noch eine Chance, die Zusammensetzung des Podiums zu ändern?

Ich hoffe und fordere, dass die ZEIT ein Einsehen hat und das Podium noch ändert. Viel erwarte ich aber nicht, denn eine solche Besetzung hat bei diesen Konferenzen System. Denn schaut man mal genau hin, sind eben fast alle zukünftig geplanten Veranstaltungen überwiegend oder ausschließlich mit Männern auf dem Podium besetzt. So zum Beispiel auch die Konferenz zu Logistik und Mobilität am 2. November. Da spricht gar keine Frau. Vom Redner bis Moderator – alles Männer.

Und was erwartest Du von ZEIT und Co. in der Zukunft?

Geschlechtergerechtigkeit ist kein Wunschkonzert, das man umsetzen kann, wenn es einem passt, das aber in relevanten gesellschaftspolitischen Debatten keine Rolle spielt. Sondern es muss eine der zentralen Grundlagen unseres Miteinanders als Menschen sein. Ich erwarte von der ZEIT, dass sie nicht nur ab und zu mal einen Gender-Artikel bringt, sondern sich aktiv dafür einsetzt. Das muss in-nerhalb des Verlags ebenso wie auf solchen Konferenzen geschehen. Außerdem fände ich es angebracht, dass sich die ZEIT öffentlich zu diesen Panel-Besetzungen ihrer Konferenzen äußert.

Ich hoffe außerdem, dass wir mit unserem Protest zeigen, dass es ganz einfach ein Skandal ist, Frauen keinen Platz in Debatten zu geben. Und dass Geschlechtergerechtigkeit - genauso wie die Überwindung vieler anderer Ungerechtigkeiten wie Rassismus, Nationalismus, Diskriminierung von Menschen mit Behinderung oder von LGBTIQ, nicht einfach passiert, weil man ja alle irgendwie dagegen sind. Sondern dass man aktiv etwas dagegen tun und einfach auch mal den Mund aufmachen muss.

Hier könnt Ihr die Petition von Marie-Luise Abshagen „Schluss mit Männer-Panels!“ auf Change.org jetzt noch unterzeichnen!


Marie-Luise Abshagen ist Referentin für nachhaltige Entwicklung beim Forum Umwelt und Entwicklung. Ihr Profil auf Profil auf Speakerinnen.org. Das Gespräch führte Mandy Schoßig.