05.03.2022 - 09:31     Expertinnen

„Stereotype aufbrechen und Vorbilder schaffen“

Exzellenten Frauen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft eine Plattform bieten. Innovationen ein weibliches Gesicht geben. Ideen und Erfindungen mit Frauen verbinden. Diese Idee ist der Ausgangspunkt für die Plattform #Innovative Frauen, die heute am Frauentag, den 8. März 2022 online geht. Wir haben mit der Initiatorin Carola Herbst über Anspruch, Ziele und weitere Angebote der Initiative gesprochen.

Carola Herbst
Carola Herbst by www.kompetenzz.de

Was waren Eure Beweggründe, die Plattform #Innovative Frauen ins Leben zu rufen?

Wir im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. (kompetenzz) arbeiten seit fast 25 Jahren in unterschiedlichen Projekten zum Thema Chancengleichheit. Girls’Day und Boys’Day gehören beispielsweise dazu, ebenso die Initiative „klischeefrei“ und „Komm, mach MINT.“ Obwohl sich bereits vieles zum Besseren verändert hat, sehen wir, dass die reale Gleichstellung von Frauen und Männern nach wie vor nicht erreicht ist und es hier noch viel zu tun gibt.

Konkret im Bereich der Sichtbarkeit ist es beispielsweise so, dass Frauen nach wie vor seltener in die mediale Berichterstattung einbezogen werden als ihre männlichen Kollegen. Das gilt übrigens auch in den Bereichen, in denen mehr Frauen als Männer arbeiten. Um vielfältige Ideen zur Lösung von Problemen und Zukunftsfragen zu erhalten, ist es jedoch dringend erforderlich, die Sichtweisen von Frauen und ihre Herangehensweisen an Probleme einzubeziehen. Auch in Führungspositionen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert – sie stellen aktuell nur knapp jede dritte Führungskraft.

Ich selbst habe viele Jahre im Projekt „Komm, mach MINT.“ gearbeitet und dabei immer wieder festgestellt, dass es neben dem Aufbrechen von stereotypen Rollenbildern ungemein wichtig ist, weibliche Vorbildfrauen in Projekte und Initiativen einzubinden. Sie dienen nicht nur als Identifikationsfiguren, sondern steigern auch die Attraktivitätswahrnehmung von z.B. MINT-Berufen und weiblichen Karrieren. Außerdem machen sie jungen Frauen Mut, die eigenen beruflichen Ideen, Wünsche und Erwartungen umzusetzen und vermitteln ihnen Selbstbewusstsein und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.

All das zusammengenommen hat uns dazu bewogen, uns mit der Idee einer Plattform für innovative Frauen auf die Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Themenschwerpunkt „Innovative Frauen im Fokus“ zu bewerben.

Und wie kann eine Webplattform da Abhilfe schaffen?

Indem wir innovative Frauen mit unterschiedlichen Karriere- und Berufswegen über die Plattform sichtbar machen, schaffen wir in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Leistungen und Potentiale von Frauen. Damit wollen wir erreichen, dass Frauen in allen Berufssparten und auf allen Karrierestufen als selbstverständlich wahrgenommen werden und sie gleichzeitig darin bestärken, ihre Ideen, Forschungsvorhaben und Visionen weiter zu verfolgen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich die Zusammenarbeit mit Medien, Journalist*innen, Redakteur*innen und Veranstaltungsmanager*innen. Sie alle sind aufgerufen, in der Datenbank von #InnovativeFrauen nach Expertinnen zu recherchieren und diese direkt für Interviews, Vorträge, Moderationen oder Podiumsdiskussionen anzufragen.

Wer kann sich bei Euch eintragen?

Exzellente Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen und Leistungsträgerinnen sowie junge, aufstrebende Innovatorinnen können sich auf unserer Website www.innovative-frauen.de in eine Datenbank eintragen und so mit ihren Leistungen und Potentialen sichtbar werden.

Dabei geht es uns vor allem darum, die große Vielfalt an innovativen Frauen vorzustellen. Wir wollen zeigen, was diese Frauen antreibt, wie sie Zukunft mitgestalten und Lösungen für Probleme finden. Wir haben zum Beispiel eine Gründerin dabei, die kleine, kostengünstige und trotzdem sehr hochwertige Solarsysteme produziert, die überall dort zum Einsatz kommen können, wo es noch kein flächendeckendes Stromnetz gibt und Menschen keinen Zugang zu elektrischer Energie haben. Andere Frauen aus unserer Datenbank beschäftigen sich mit neuen Mobilitätskonzepten oder Biodiversität in unseren Städten. Wieder andere verorten wir im Bereich der sozialen Innovationen. Sie unterstützen mit ihren innovativen Ideen Jugendliche, Erwachsene oder auch konkret ältere Menschen dabei, Zugang zu Bereichen zu erhalten, die ihnen sonst verschlossen bleiben würden – beispielsweise, indem sie ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Talente in unterschiedlichen Bereichen auszuprobieren oder indem sie deren digitale Kompetenzen erweitern.

Ihr verknüpft Euch sehr bewusst mit anderen Plattformen – darunter auch mit Speakerinnen.org. Wie seht Ihr #InnovativeFrauen innerhalb der bestehenden Initiativen und Datenbanken?

Bevor wir #InnovativeFrauen beantragt haben, haben wir eine umfassende Bestandsaufnahme gemacht, die uns gezeigt hat, dass es bereits einige sehr gute Plattformen gibt, auf denen sich Frauen mit ihren Ideen, Potentialen und mit ihrer Expertise vorstellen können. Einige, wie beispielsweise Speakerinnen.org, sind sehr breit aufgestellt und bieten vielen Frauen die Möglichkeit, sich einzutragen. Andere wiederum konzentrieren sich auf promovierte und habilitierte Wissenschaftlerinnen.

Unser Ziel ist es, die vorhandenen Expertinnen-Datenbanken sinnvoll zu ergänzen. Deshalb legen wir mit #InnovativeFrauen den Fokus auf die Sichtbarmachung von Frauen, die eine innovative Idee oder ein innovatives Produkt entwickelt, beziehungsweise eine soziale Innovation ins Leben gerufen oder maßgeblich vorangetrieben haben. Frauen, die mit ihren Leistungen besser in eine der anderen Datenbanken passen, werden wir gerne an diese verweisen.

Was bietet die Website www.innovative-frauen.de noch?

Neben dem Herzstück unserer Plattform, der Expertinnen-Datenbank, wird es noch eine ganze Reihe weiterer Angebote geben. Wir werden beispielsweise regelmäßig Fokusthemen veröffentlichen, die eine Einführung in ein aktuelles Thema liefern und gleichzeitig verschiedene Aspekte näher beleuchten. Dafür greifen wir auf die Expertise der innovativen Frauen auf unserer Plattform zurück und binden diese über verschiedene Formate ein.

Außerdem sind wir aktuell dabei, eine Podcast-Reihe zu konzipieren, in der sich exzellente Frauen mit ihren Leistungen vorstellen und gleichzeitig inspirierende Einblicke in ihren Beruf geben können. Ein weiteres Format, mit dem wir die innovativen Frauen von unserer Plattform vorstellen wollen, sind Videoportraits, in denen der Werdegang, die berufliche Tätigkeit und die damit verbundenen Errungenschaften der portraitierten Expertin im Fokus stehen. Längerfristig haben wir geplant, diesen Baustein auszuweiten und daraus einen Leitfaden zu entwickeln, der weitere Frauen dabei unterstützt, selbst ein Kurzvideo von sich und ihrer Arbeit zu erstellen

Habt ihr weitere Angebote geplant, um das Thema „Innovationen von Frauen“ stärker in der Öffentlichkeit zu platzieren?

Um aktuelle Themen zu vertiefen und unseren innovativen Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre Forschungsergebnisse zu verbreiten und ihre Ideen zu präsentieren, haben wir in loser Folge Open-Mic-Veranstaltungen geplant. Dabei handelt es sich um ein Live-Format der Wissenschaftskommunikation, bei dem sich bis zu drei Expertinnen auf einer virtuellen Bühne treffen und live mit den Zuschauer*innen (Studentinnen, thematisch Interessierte, andere Wissenschaftler*innen) über ihre Arbeits- oder Forschungsgebiete diskutieren. Elementar ist hierbei ein initialer Input der Expertinnen sowie die direkte Beteiligungsmöglichkeit der Zuschauer*innen. Die Open-Mics werden live über die Plattform #InnovativeFrauen übertragen und zusätzlich aufgezeichnet, um sie auch im Nachgang für alle Interessierten verfügbar zu machen.


Carola Herbst ist Projektleiterin von #InnovativeFrauen bei kompetenzz, Deutschlands größtem Netzwerk zu den Themen Technik, Diversity und Chancengleichheit. Die Medienpädagogin beschäftigt sich seit 2008 mit den Themen Sichtbarkeit von Frauen im Online & Social Media Bereich. Ihr Herz schlägt für alles Digitale und Innovative.

Das Interview führte Mandy Schoßig.


  09.01.2022 - 10:05     Expertinnen

"Speakerinnen goes Voarlberg"

Gemeinsam Frauen sichtbar machen – das ist das erklärte Ziel von Speakerinnen.org und einer Gruppe engagierter Frauen aus Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland unseres südlichen Nachbarlandes. Das österreichische Projektteam rund um Ruth Swoboda, Bettina Steindl, Andrea Spieth und Brigitta Soraperra hat eine einzigartige Kooperation mit uns aufgegleist: Unter vorarlberg.speakerinnen.org können sich seit heute Expertinnen, Rednerinnen und Fachfrauen aus allen Branchen eintragen und so von Veranstalter*innen sowohl auf der regionalen Seite für Vorarlberg als auch auf Speakerinnen.org gefunden werden.

Wir haben mit Brigitta Soraperra darüber gesprochen, wie es zu dieser Kooperation kam, wie aus der Idee Wirklichkeit wurde und was die Vorarlberger Frauen in Sachen Sichtbarkeit noch vorhaben.

Brigitta Soraperra
Brigitta Soraperra fotografiert von Dietmar Mathis

Die Idee für das Vorarlberger Frauennetzwerk entstand im letzten Jahr und nur 9 Monate später geht vorarlberg.speakerinnen.org online. Wie kam es dazu?

Den Ausschlag bildete das eine Tröpfchen zu viel, welches das Fass zum Überlaufen brachte. Im Herbst 2020 startete das größte Medienhaus in Vorarlberg ein tägliches Nachrichtenformat im Internet. Als nach acht Sendungen immer noch keine einzige Frau dort zu sehen war – weder als Moderatorin noch als Studiogast – verschickte Lea Putz-Erath, die Geschäftsführerin von femail, einer wichtigen Fraueninformationsstelle im Land Vorarlberg, eine empörte E-Mail über ihren persönlichen Adressverteiler.

Diese trug den schönen Titel „Grrr“ und enthielt den Aufruf, dass hier geballte Gleichstellungspower gefragt wäre, um dieser nicht zum ersten Mal wahrgenommenen Nichtbeachtung von Frauen und weiblicher Kompetenz im Land etwas entgegenzusetzen. Diese Mail wurde mehrfach weitergeleitet und es bildete sich sehr schnell ein Netzwerk von circa 40 Frauen, die sich verschiedene Aktionen und Projekte überlegten, um die vorhandene Expertinnenkompetenz in Vorarlberg sichtbar(er) zu machen.

Eines dieser Projekte bildete die Realisierung einer Expertinnendatenbank, weil von Veranstaltern immer wieder das Argument kommt, dass sie leider keine Frau gefunden haben. Dem wollten wir ein für alle Mal Abhilfe verschaffen.

Wer steht hinter der Initiative? Und wie habt Ihr Euch gefunden?

In der großen Gruppe sind es viele verschiedene Frauen aus den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, von der Intermedia-Studentin über die Bildungsmanagerin bis zur Museumsdirektorin. Auch Genderbeauftragte, Sozialwissenschaftlerinnen, Juristinnen und einige Organisationsentwicklerinnen sind dabei. Gefunden haben wir uns über Leas Initiative und viele haben auch noch weitere Frauen aus ihrem eigenen Umfeld dazu eingeladen.

Das Projektteam für die Expertinnendatenbank besteht aus Ruth Swoboda, Biologin und Direktorin der inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn, Bettina Steindl, Kulturmanagerin und Geschäftsführerin des neuen CampusVäre – Creative Institute Vorarlberg, Andrea Spieth, Unternehmensberaterin bei Trigon und mir, freie Kulturarbeiterin. Diese Viererkonstellation hat sich ergeben, weil wir uns aus anderen Zusammenhängen schon kannten und Lust hatten, miteinander etwas Handfestes umzusetzen.

Statt eine völlig neue Seite aufzubauen, habt Ihr Euch an das Team von Speakerinen.org gewendet. Wie kam es dazu?

Wir haben zuerst für uns formuliert, welche Anforderungen und Wünsche wir an eine Datenbank hätten. Da kam einiges zusammen. Unser Engagement ist ehrenamtlich und wir haben schnell gemerkt, dass es für uns unrealistisch ist, eine eigene Homepage aufzubauen und zu betreuen. Da wir aber alle vernetzt denken und gerne in Kooperationen arbeiten, hatten wir die Idee, uns irgendwo anzuschließen, zumal es auch für die Nutzerinnen und Nutzer angenehmer ist, wenn es nicht zu viele verschiedenen Portale gibt. Wir haben dann die uns bekannten Seiten nochmals überprüft und Speakerinnen.org hat uns einfach am besten gefallen, vom Aufbau, der Handhabung, der Erscheinung her.

Außerdem finden wir es toll, dass diese Seite international ausgerichtet ist und bereits so viele spannende Frauen registriert sind. Wenn also für eine bestimmte Expertise keine Vorarlbergerin zur Verfügung steht, können dort zahlreiche andere Expertinnen gefunden werden. Deshalb haben wir mit Euch Kontakt aufgenommen und uns sehr gefreut, dass Ihr Euch auf eine Kooperation eingelassen habt.

Was war für Euch hilfreich, damit aus der Idee von vor einem Jahr Wirklichkeit werden konnte?

Besonders hilfreich waren Eure sehr konkreten Vorschläge, wie die Vorarlberger Expertinnen sichtbar gemacht werden können. Also die Idee mit der eigenen Unterseite vorarlberg.speakerinnen.org oder der Themenschwerpunkt auf der Hauptseite im Zuge des Launches. Auch die unkomplizierte Zusammenarbeit war und ist eine große Freude. Und dass wir vom Land Vorarlberg, namentlich vom „Funktionsbereich für Frauen und Gleichstellung“ und von der Marke Vorarlberg finanzielle Unterstützung bekommen haben, um unsere Designerin und Eure Programmierarbeit zu bezahlen.

Welchen Herausforderungen seid Ihr unterwegs begegnet und wie seid Ihr damit umgegangen?

Die Herausforderung lag und liegt vor allem in unseren persönlichen Ressourcen. Wir sind alle beruflich sehr engagierte Frauen, die mit Begeisterung tun, was sie tun. Da war es toll, dass wir als Team funktionieren und die anfallenden Aufgaben aufteilen konnten. Außerdem haben wir mit Marcella Merholz eine ganz wunderbare Gestalterin gefunden, die unsere zum Teil unstrukturierte Arbeitsweise gut gebündelt hat. Was nach wie vor eine Herausforderung darstellt, ist, die Frauen zu motivieren sich einzutragen. Es ist erstaunlich, wie viele kompetente Frauen hierzulande zögern, sich als Expertin zu sehen. Da müssen wir noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten.

Die Webplattform ist nur eine von Euern Aktivitäten – was habt Ihr noch in Vorarlberg initiiert?

Im großen Netzwerk sind wir mit sehr viel Engagement gestartet und es gab einige tolle Ideen, die aber aus verschiedenen Gründen bisher noch nicht alle realisiert werden konnten. Was aber ein richtiges Erfolgsmodell ist, ist der #Xipertinnen-Account auf Instagram, mit dem Angelika Becker seit über einem dreiviertel Jahr wöchentlich tolle Frauen vorstellt. Und wir haben im Dezember in einer wichtigen Wirtschaftszeitung einen Themenschwerpunkt „Expertinnensichtbarkeit“ samt Titelseite realisieren können.

In diesem Jahr sind Veranstaltungen geplant, die junge Frauen an das Thema „Feminismus“ heranführen wollen. Auch ein unkonventionelles Talkshowformat und ein Podcast sind noch in der Pipeline. Ganz wichtig wurde auch der Mailverteiler, bei dem laufend neue Frauen dazu kommen. Er wird mittlerweile rege zum Netzwerken und Infoaustausch genutzt.

Wie pflegt Ihr Euer Netzwerk in Zeiten der Pandemie?

Das Netzwerk wurde ja Ende 2020 im zweiten Lockdown gegründet, das heißt, wir haben nahezu alle Großgruppen-Treffen online durchgeführt. Deshalb sind wir mittlerweile ganz gut darin, Ideen digital miteinander zu entwickeln und das Netzwerk zu pflegen. Als aber im Herbst 2021 endlich ein reales Treffen stattgefunden hat, haben wir gemerkt, dass diese Begegnung enorm wichtig war, um das Feuer aufrecht zu halten und uns gegenseitig zu bestärken. Wir werden also weiterhin eine Mischung zwischen digital und analog verfolgen, und via Mailverteiler aktuelle News austauschen.

Und zum Schluss: Was könnt Ihr anderen Frauennetzwerken mit auf den Weg geben?

Es ist höchste Zeit, dass Frauen medial sichtbar sind und als gleichberechtigte Partnerinnen und Ansprechpersonen in allen Bereichen der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft, etc. wahrgenommen werden. Da wir nach wie vor in einer männlich dominierten Kultur leben, lohnt es sich, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen, fördern, Mut machen, voneinander lernen und Erfolge miteinander feiern.


Brigitta Soraperra ist freischaffende Regisseurin, Kulturvermittlerin und Projektleiterin – unter anderem der Wexelstube – Raum für Begeisterung und der IG Geburtskultur a-z. Zuletzt war sie im Kuratorinnenteam der großen Jubiläumsausstellung „geburtskultur. vom gebären und geboren werden“ im Frauenmuseum Hittisau und organisierte dazu ein interdisziplinäres Rahmenprogramm.

Das Interview führte Mandy Schoßig.


  28.07.2020 - 15:09     Methoden

„Webseiten von Menschen für Menschen“

Seit dem Frauentag 2020 gibt es auf Speakerinnen.org viele neue Funktionalitäten, Rubriken und ein neues Design der Startseite. Entwickelt hat all das Salit Krac, eine Produkt- und Web-UX-Designerin aus Berlin. Ihr beruflicher Weg führte sie vom Grafikdesign hin zum Produktdesign und wir haben mit Salit darüber gesprochen, welche Gedanken sie bei den neuen Features auf Speakerinnen.org hatte und welchen Weg sie von der Ideenfindung bis zur Umsetzung gegangen ist.

Eine englische Version des Interviews kannst Du hier lesen // please finde an English version of the interview here.

Salit Krac
Salit Krac

Salit, Du hast Speakerinnen.org einige Neuerungen "verordnet" – was sind die wichtigsten neuen Features der Website?

Die wichtigste Funktion, die meiner Meinung nach auch die größte Herausforderung in diesem Projekt war, war die Gestaltung des neuen Filtersystems. Es soll Veranstalter*innen ermöglichen, Referentinnen nach genau ihren Vorstellungen und dabei möglichst einfach und nutzerfreundlich zu finden.

Jemand, der in einer reinen „Frauendatenbank“ nach einer professionellen Rednerin sucht, hat ein gewisses Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, dass Frauen auf den Bühnen und Podien präsent sind. Wir wollen dieses Bewusstsein belohnen, indem wir eine Plattform anbieten, auf der Rednerinnen auf schnelle und angenehme Weise gefunden werden können.

UX heißt ja User Experience – das heißt, Du denkst immer von der Nutzer*in her? Was heißt das genau?

Ein*e erfahrene*r Designer*in oder Produktdesigner*in ist dafür verantwortlich, dass sich das Design einer Website immer um den Menschen, die User*in, dreht. Das mag offensichtlich klingen, da solche Projekte ja von Menschen für Menschen gemacht werden – wie können wir da also überhaupt etwas falsch machen?

Doch leider gehen die Ziele und Bedürfnisse der Benutzer*innen manchmal im Prozess der Produktgestaltung verloren. Selbst in einem Team, das die Bedürfnisse der User*innen im Auge hat, liegt das Hauptaugenmerk häufig auf der Technik. Und das soll auch erst einmal so sein. An dieser Stelle kommt die Produktdesigner*in ins Spiel, die in so einem Team die Aufgabe hat, sich um die nutzerseitigen Elemente zu kümmern, sie an realen Benutzer*innen zu testen, Feedback zu sammeln und diese Daten für ein besseres Designs zu verwenden.

Und hier liegt auch der Unterschied zwischen Produktdesign und Web- bzw. Grafikdesign: Aus der ersten Perspektive bedeutet ein besseres Design nicht ein schöner aussehendes, sondern eines, das es Benutzer*innen ermöglicht, das Produkt einfacher und angenehmer zu benutzen.

Wie gehst Du vor, wenn Du neue Ideen für eine Website entwickelst? Was sind Deine ersten Gedanken?

Ein Gestaltungsprozess ist grundlegend verschieden, wenn die Website oder das Produkt völlig neu ist und wir bei null anfangen, oder wenn es bereits seit einiger Zeit online bzw. auf dem Markt ist und eine bestehende Anzahl von Nutzer*innen hat. Letzteres war der Fall bei Speakerinnen.org – ich bin zum Team dazugekommen, als die Datenbank bereits einige Jahre genutzt wurde. Wir haben aber gemerkt, dass wir Dinge verbessern können. Unser erster Schritt für Veränderungen war, die sogenannte User Experience, also das Erlebnis beim Benutzen der Website, für die Konferenzveranstalter*innen zu verbessern.

Wichtig war zu Beginn, diese Benutzergruppe und ihre Wünsche besser zu verstehen, wenn sie eine Sprecherin für ihre Konferenz suchen. Also: Wie gehen sie an diese Aufgabe heran, was sind ihre Schmerzpunkte? Wir haben Einzelgespräche mit Eventorganisator*innen geführt und zusätzlich Fragebögen verschickt, um noch mehr von ihnen zu erreichen.

Als ich begann, das Design von Speakerinnen.org zu überarbeiten, war es wichtig, bestehende Schnittstellen und Funktionen zu berücksichtigen, um keine zusätzliche Arbeitsbelastung für die Programmiererinnen zu schaffen. Nachdem ich das Design mit dem Team gemeinsam angeschaut und Kommentare und Anmerkungen eingearbeitet hatte, begann die Testphase. Wir haben Benutzer*innen eingeladen, die Website durchzugehen und bestimmte „Aufgaben“ für die Benutzung durchzuspielen. Danach hatte ich ein klareres Verständnis dafür, wo wir richtig lagen mit den Änderungen und was noch weiter verbessert werden kann. Das ist ein sehr iterativer Prozess, quasi eine Entwicklung in mehreren Schleifen, um das Design schließlich bestmöglich zu gestalten.

Nicht zuletzt mussten wir natürlich immer prüfen: Was ist besonders wichtig und was können in diesem ehrenamtlichen Projekt überhaupt leisten, was soll jetzt und was möglicherweise später umgesetzt werden?

Und wie geht es dann weiter, bis die Ideen umgesetzt sind?

Als Produktdesignerin, die nicht nur die User Experience sondern auch die Umsetzung im Blick hat, habe ich mich dann um das User Interface Design (UI) gekümmert.

Was heißt das genau?

In erster Linie geht es hier um das Aussehen einer Seite: Farben, Schatten, Schriftarten, visuelle Elemente. Und dann sollte als nächstes natürlich der Blick auf die zweite Benutzergruppe gerichtet werden – die der Speakerinnen selbst. Die Experinnen, die sich auf der Website registrieren, haben ganz andere Anforderungen an die Benutzung der Seite und so beginnt der Prozess von neuem.

Wie hast Du im gesamten Prozess mit dem Speakerinnen-Team zusammengearbeitet?

Das Team war in jeden Schritt des Designprozesses einbezogen. Das heißt, ich achte darauf, dass ich meine Ideen und Skizzen aus dem Entwicklungsprozess mit anderen teilen kann. Mir hat es sehr gut gefallen, das Team eng in den Prozess einzubinden. Denn es gab viele gute Vorschläge und Ideen aus dem Team, die mir vielleicht so nicht in den Sinn gekommen wären. Im Vergleich zu anderen Teams, mit denen ich zusammengearbeitet habe, hat das Speakerinnen-Team einen, so könnte man sagen, hohen Grad an „UX-Reife“.

Welche Ideen hattet Ihr noch, die jetzt nicht umgesetzt wurden... aber vielleicht in der Zukunft?

Ich finde: Eine Referentin auf Speakerinnen.org zu finden oder anzufragen, sollte so einfach sein wie Online-Shopping auf den trendigsten und intuitivsten Websites und sollte alle Vorteile haben, die wir aus der Welt des E-Commerce kennen. Schön wären also noch: das „Merken“ von Speakerinnen durch Hinzufügen zu eigenen Favoriten. Eine Art Empfehlungssystem (wir wollen dabei keine Bewertung von einzelnen Speakerinnen, aber möglicherweise ein anderes System). Aber auch einfache Funktionen wie die Anzeige der letzten Online-Aktivitäten oder die Anzeige, wie lange eine Speakerin normalerweise für eine Antwort braucht, wären toll.

Wir können noch viel tun, um das Vertrauen in die Plattform zu steigern. Speakerinnen.org ist für mich (und uns) eine Website, die zuverlässig und vertrauenswürdig für die Ansprache von weiblichen Konferenzsprecherinnen, Moderatorinnen etc. genutzt werden kann. Ihre Kompetenzen durch die Website herauszustreichen, ist meine eigentliche Herausforderung.


Salit Krac ist Produktdesignerin und forscht zum Nutzungsverhalten von Menschen. Sie arbeitet in Berlin.

Das Interview führte Mandy Schoßig.


  02.03.2020 - 20:09     Aktionen

6 Jahre Speakerinnen!

Pünktlich zum Frauentag am 8. März 2020 und damit zum 6. Geburtstag von Speakerinnen gibt es zahlreiche Neuigkeiten auf Speakerinnen.org.

Neue Features für noch schönere Profile

Wir haben die Website sowohl optisch als auch in ihren Funktionalitäten überarbeitet – damit Ihr Euch noch besser darstellen und noch leichter von Eventorganisator*innen gefunden werden könnt.

Ihr könnt ab sofort:
… in einem Kurzprofil mit 175 Zeichen Eure Haupttätigkeiten und Expertisen angeben,
… im neuen Feld „Ich biete“ klar machen, ob Ihr als Moderatorin, Fachexpertin, Rednerin, Interviewpartnerin für Medien o.ä. zur Verfügung steht,
… mit der Checkbox „Ich bin bereit, für eine Veranstaltung zu reisen“ angeben, ob Ihr bereit seid, für einen Talk weitere Wege auf Euch zu nehmen,
… mit der Checkbox „Ich bin bereit, für gemeinnützige Zwecke kostenfrei zu sprechen“ angeben, ob Ihr im gemeinnützigen Kontext auch unbezahlt auftreten wollt,
… ein Copyright für Dein Bild angeben.

Aktualisiere dein Profil jetzt!

Speakerinnen-Screenshot-neu
Speakerinnen.org zum 6. Geburtstag am Frauentag 2020

Was ist sonst noch neu bei Speakerinnen?

Die Rubrik „Kategorien“: Hier können alle, die eine Expertin oder Konferenzsprecherin zu einem bestimmten Thema suchen, jetzt mit wenigen Klicks verschiedene Suchbegriffe besser kombinieren und so die passenden Frauen leichter finden. Sie können sich aber auch einfach inspirieren lassen und aus den angezeigten Schlagworten in den Kategorien auswählen.

Zu den Themen und Kategorien

Zwei neue Rubriken auf der Hauptseite: Unter „Aktuelles Thema“ stellen wir Speakerinnen zu Ereignissen wie „30 Jahre Mauerfall“, „Klimaschutz“ oder „Digitale Gewalt“ vor. Unter „Lass Dich inspirieren!“ präsentieren wir die neuesten Speakerinnen, die sich auf der Plattform eingetragen haben.

Zum aktuellen Thema

Zu den neuesten Speakerinnen

Speakerinnen neu auf Instagram

Wir haben begonnen, uns auch auf Instagram stärker mit all denen zu vernetzen, denen Diversity ein Anliegen ist. Unter @speakerinnen wollen wir auch dort für mehr Sichtbarkeit für Frauen sorgen – wir posten: vor allem die Speakerinnen :-) und außerdem: aktuelle Daten unserer „50 Prozent-Datenbank“, motivierende Zitate und interessante News von anderen.

Folge uns auf Instagram!

Partnerschaft mit Kombüse e.V.

Speakerinnen.org wird seit Anfang des Jahres von Kombüse e.V. unterstützt, einem Hamburger Verein, der soziales Unternehmer*innentum fördert. Damit erhält Speakerinnen.org ein organisatorisches Dach und nicht zuletzt können wir jetzt (endlich) auch wieder Spenden annehmen – mit denen wir die Seite weiterentwickeln und noch mehr Netzwerkarbeit zur Förderung von Frauen leisten können.

Das neue Spendenkonto von Speakerinnen.org lautet:

Kombüse e.V.

Verwendungszweck: speakerinnen

IBAN: DE54 4306 0967 2049 2233 01

BIC: GENODEM1GLS

Wir freuen uns sehr, wenn Du für uns spendest und wenn Du das weitersagst :-)

Neue FAQs für schönere Profile und alles, was Du sonst noch fragen willst

Last but not least: Wir haben unsere FAQs überarbeitet und alle neuen Informationen zum Nachlesen dort hinterlegt.

Hier geht’s zu den FAQs.

Eine Frage fehlt? Schreib uns an: team@speakerinnen.org.

Ein großes Dankeschön an Salit Krac für ihre Unterstützung bei der Überarbeitung der Seite und einen wunderbaren Frauentag wünschen Euch das komplette Speakerinnen-Team!


  16.04.2019 - 15:10     Expertinnen

„Aus Wut wird Podcasterinnen.org“

Am Anfang gab es eine Liste: „Frauenstimmen im Netz“ hieß sie. Eine Sammlung von Nele Heise, die Frauen in der Podcast-Landschaft mit ihren Hör-Formaten sichtbar machen wollte. Daraus wurde 2018 mehr: Daniela Ishorst, Michaela Lehr und Nele Heise gründeten gemeinsam die Plattform Podcasterinnen.org. Nach dem Vorbild der Plattform Speakerinnen.org (eigene Aussage) arbeiteten die Drei an der Umsetzung einer Seite, die sich an Podcasterinnen und nicht-binäre Podcastpersonen richtet und diese sichtbarer machen möchte. Außerdem richtet sich die Website an Veranstalter*innen und Podcaster*innen, die zu verschiedenen Themen nicht-männliche Personen als Gäste suchen.

Seit Dezember ist die Plattform für Podcasterinnen und nicht-binäre Podcastpersonen online und Speakerinnen.org hat mit Daniela Ishorst über die Erfahrungen des letzten Jahres gesprochen.

Daniela Ishorst
Daniela Ishorst von Podcasterinnen.org

Daniela, wie wurde aus den „Frauenstimmen“ Podcasterinnen.org?

Podcasterinnen.org entstand erstmal aus einem wütenden Impuls heraus. Nachdem ich auf mehreren Veranstaltung 2017 und 2018 wieder und wieder mit All-Male-panels oder Talks zu der Podcastlandschaft konfrontiert war, platzte mir der Kragen. Diese Wut konnten wir dann zu dritt produktiv umsetzen. Es war aber auch schnell klar, dass wir kein Verzeichnis seinen möchten, in dem alle Daten aus Neles Frauenstimmen Liste landen, sondern dass wir eine Plattform seien möchten, auf die die Leute zukommen.

Speakerinnen.org war da übrigens ein Vorbild, an dem wir uns dann orientiert haben :-)

Ihr richtet Euch sehr explizit an Frauen und nicht-binäre Personen, die Podcasts produzieren. Warum gibt es für diese Gruppen einen besonderen Bedarf an Sichtbarkeit?

Dafür, dass man Frauen nachsagt, sie würden ständig reden, fällt in vielen Podcasts und auf Veranstaltungen zu Podcasts auf, dass Frauen und nicht-binäre Personen häufig gar nicht Teil der Veranstaltung sind.

Mir fällt immer wieder auf, dass Frauen viel seltener zu Gast in Podcasts sind und wenn sie zu Gast sind, reden sie meist deutlich weniger als Männer, ihnen wird häufiger ins Wort gefallen. Manchmal werden sie kaum ernst genommen. Das ist in allen Themenbereichen so, auch im Bereich Podcasting. Deshalb war und ist es uns wichtig, die Leute dafür sensibler zu machen. Am Ende ist die Webseite auch als Kritik zu verstehen. Eine Kritik daran, wie selbstverständlich nicht-männliche Personen immer noch nicht die Sicht- und Hörbarkeit bekommen, die ihnen zusteht.

Seit rund einem Jahr arbeitet Ihr an der Plattform; seit Dezember 2018 seid Ihr online. Was war am schwersten und was am schönsten bis zum Launch?

Die ersten Monate liefen tatsächlich etwas holprig. Wir drei sind alle in Jobs, haben Hobbies, Familie. Podcasterinnen.org ist ein komplett ehrenamtliches Projekt, welches auf wenigen Schultern liegt. Es dauerte etwas, bis sich ein richtiger Arbeitsprozess eingeschliffen hat. Die letzten Wochen vor dem Release verging dann allerdings kein Tag, an dem ich nicht mich Michaela gesprochen, geschrieben oder mich getroffen habe.

Aber das war auch das Schönste. Man lernt sich und die Menschen, mit denen man zusammen arbeitet, nochmal anders kennen. Es war und ist wunderbar, mit Nele und Michaela zusammenzuarbeiten! Zumal ich lange in früheren Jobs zu hören bekommen habe, dass Frauen nicht gut miteinander arbeiten können, weil sie zu zickig sind. Diese Erfahrung war für mich ein wahnsinniges Geschenk.

Ich habe neue Dinge gelernt, die ich gut für meinen Job oder spätere Projekte nutzen kann. Außerdem wurde das alles getragen von dem Gefühl einer Selbstermächtigung. Die Arbeit an der Plattform war also auch ein emanzipatorischer Akt. Und ist es auch immer noch.

Welche Rückmeldungen habt Ihr seither zu Euerm Projekt erhalten?

Wir haben fast durchweg positive Rückmeldungen bekommen. Es gab und gibt natürlich auch kritische Stimmen, diese kommen aber durchweg von Männern.

Ansonsten werden wir getragen von einer wunderbaren Community, vielen tollen Podcastpersonen, die sich freuen, dass es die Webseite gibt.

Welche Podcaster*innen findet man heute bei Euch? Und habt Ihr Lieblingspodcasts, die Ihr empfehlen wollt?

Man findet mittlerweile zu fast jedem Thema eine Podcastperson. Es sind jetzt knapp 100 Profile online. Das ist schon ganz ordentlich. Die Themengebiete umfassen zum Beispiel Fußball, IT-Security, Erotik, Handwerk, Feminismus, Kunst, Bisexualität, Politik, DIY. Es ist schön zu sehen, über wie viele unterschiedliche Themen gesprochen wird und wie wenig mono thematisch „Frauenpodcasts“ tatsächlich sind.

Als Teammitglied von Podcasterinnen.org ist es jetzt natürlich schwer, den einen Podcast zu empfehlen. Gerade höre ich mich durch einige Podcasts, die von People of Color produziert werden. In dem Bereich hat sich 2018 unglaublich viel getan. Da ich selber über Kunst und Kultur podcaste, findet man natürlich auch aus dem Themenbereich einiges in meiner Podcastliste.


Daniela Ishorst ist selbst Podcasterin und spricht bei kunst & horst über Kunst, Literatur, Theater, Kulturpolitik und einiges mehr. Hauptberuflich arbeitet sie als Assistenz der Geschäftsleitung und Buchhalterin. Bei Podcasterinnen.org setzt sie sich dafür ein, dass die Menschen hinter den Podcasts sichtbar werden.

Das Interview führte Mandy Schoßig.


  22.02.2019 - 11:26     Aktionen

Speakerinnen – wie geht es weiter?

Am Frauentag 2019 feiert die Plattform Speakerinnen ihren fünften Geburtstag. Das ist für uns, das Team von Speakerinnen.org, nicht nur Anlass, zurückzuschauen und uns über die Erfolge zu freuen. So über fast 2.400 registrierte Expertinnen, die nun von Event-Organisatoren und Event-Organisatorinnen einfach gefunden werden können. Oder auch über zahlreiche positive und ermutigende Reaktionen, die zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig ist der fünfte Jahrestag für uns aber auch Grund, in die Zukunft zu schauen. Uns zu fragen: Wo soll es hingehen mit der Speakerinnen? Was wollen wir noch erreichen? Welche Schritte wollen und sollten wir gehen?

Um diese Frage zu beantworten, hat sich das Team von Speakerinnen.org Anfang Februar 2019 für drei Tage ins Projekthaus Potsdam zurückgezogen. Wir haben viele kleine Fragen der täglichen Arbeit beantwortet, aber auch einen Blick in die Zukunft geworfen, eine Strategie für die Arbeit in den kommenden Monaten entwickelt.

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Das Seminarhaus Potsdam hostet Speakerinnen-Arbeitswochenende

Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen verbesserte Arbeitsstrukturen und eine Erweiterung des Kernteams, aber auch eine größere Reichweite der Speakerinnen. Ziel unseres Engagements wird es in den nächsten Monaten daher sein, die Zahl der Anfragen über Speakerinnen.org zu erhöhen, die Zahl der registrierten Expertinnen weiter zu steigern und eine noch größere Bandbreite an Themen auf der Speakerinnen-Liste versammeln zu können. Daher wollen wir unter anderem verstärkt Netzwerk-Tätigkeiten durchführen – wir wollen mit anderen Diversity-Plattformen enger zusammen arbeiten und gezielter Event-Organisatorinnen und -Organisatoren sowie die breite Öffentlichkeit ansprechen.

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Bei der Arbeit: denken, programmieren, stricken

Speakerinnen.org lebt nicht nur von der Arbeit des Teams, sondern auch vom Input von außen – daher geben wir euch hier einen kleinen Einblick in unsere Prozesse. Wir freuen uns jederzeit über Kritik, Lob und Anregungen von allen, die mit der Speakerinnen-Datenbank arbeiten, bei Speakerinnen.org registriert sind oder das Projekt auf anderen Wegen begleiten. Meldet euch jederzeit unter team@speakerinnen.org, wenn ihr Vorschläge und Ideen für eine Weiterentwicklung des Projektes habt!


  07.11.2018 - 08:44     Aktionen

„Menschen mit Behinderung sollen sichtbarer werden“

Software architecture. Lokaljournalismus. Burnout-Prävention. Gewalt und Trauma. Die Themen der Speaker*innen auf speakabled.com sind divers. So divers wie die potenziellen Sprecher*innen selbst. Eines ist ihnen gemeinsam: sie haben eine Behinderung. Und sind damit gar nicht oder nur selten sichtbar – auf der Bühne, im Fernsehen oder allgemein in der Öffentlichkeit. speakabled will das ändern und Expert*innen, Profis und Fachleute mit einer Behinderung eine Plattform bieten.

Im Gespräch mit Speakerinnen.org spricht der Gründer von speakabled Johannes Mairhofer über die Idee, die ersten Schritte und seine Wünsche für die Zukunft.

Johannes Mairhofer
Johannes Mairhofer fotografiert von Sandra Schink

Johannes, warum hast Du die Speaker*innen-Datenbank speakabled gegründet und wer kann sich dort anmelden?

Mich stört schon länger, dass Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit so wenig präsent sind. Und vor allem, dass viele dann wieder „nur“ über ihre Behinderung sprechen „dürfen“. Dabei gibt es viele Menschen mit Behinderung, die Kompetenzen auf den verschiedensten Gebieten haben, ganz außerhalb der Filterblase.

Diese Plattform ist jetzt also der Versuch, mehr Menschen mit Behinderung auf Bühnen (und ins Fernsehen etc.) zu bringen. Und zwar für ihre Kompetenzen, NICHT für ihre Behinderung. Anmelden können sich alle Menschen mit Behinderung, die ihre Fähigkeiten gerne weitergeben und auf den Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind oder das sein möchten.

Auch habe ich mich – ähnlich ein bisschen wie Ihr – dagegen entschieden, bei der Registrierung abzufragen, welche Behinderung vorliegt, sondern überlasse dass den Sprecher*innen selbst. Es gibt allerdings ein Feld „besondere Bedürfnisse“, hier kann zum Beispiel der Bedarf nach einer Rampe, einem Ruheraum oder bestimmte Lebensmittelunverträglichkeiten etc. eingetragen werden. Alles ist aber freiwillig und kann auch gern direkt nur mit den Veranstalter*innen besprochen werden.

Woran liegt es, dass Menschen mit einer Behinderung seltener als Speaker*innen angefragt werden?

In erster Linie liegt es bestimmt daran, dass es weniger Menschen mit Behinderungen gibt als Menschen ohne Behinderung. Aber hinzukommt, dass die Berührungsängste der Menschen ohne Behinderung oft groß sind und die Veranstalter*innen daher Menschen mit Behinderung gar nicht erst als Speaker*innen anfragen.

Und das zieht sich dann durch alle Bereiche der Öffentlichkeit: Auch in Filmen, TV, Radio etc. kommen Menschen mit Behinderung seltener vor und wenn, dann meist wie oben erwähnt wieder nur im Zusammenhang mit der Behinderung. Ich kenne nur ganz wenige Beispiele, in denen Menschen mit Behinderung losgelöst von dieser irgendwo sichtbar sind.

Was sind Deine ersten Erfahrungen, seitdem die Plattform im Oktober online gegangen ist?

Die Plattform ist erst seit zehn Tagen online und derzeit auch noch im BETA Status. Das bedeutet, dass sich das ein oder andere auch noch ändern kann.

Besonders freut mich sehr viel positives Feedback, vor allem auf Twitter, als zum Beispiel Anastasia Umrik durch einen Tweet eine ganze Welle an Resonanz losgelöst hat. Besonders die User*innen geben viele positive Rückmeldungen.

Außerdem habe ich erfahren, dass bereits erste Anfragen über die Plattform liefen. So hat etwa eine Veranstalterin der „JS Conference“ über unsere Plattform drei potentielle Sprecher*innen angefragt.

Derzeit sammle ich weiter Feedback und versuche vieles von den Wünschen umzusetzen, um so im Dezember die BETA-Phase zu verlassen. Ich hoffe, dass ich dann erstmal nichts mehr großartig ändern muss – bis eben zur Version 2 ;-).

Bist Du schon im Gespräch mit Eventorganisator*innen, um die Plattform bekannt zu machen?

Ja, ich schreibe immer wieder Konferenzen und Veranstaltungen über deren Twitter-Account an. Wir haben allerdings erst etwas mehr als 20 ausgefüllte Profile, sodass ich erst aktiver werden will, wenn wir die BETA Phase verlassen haben und es bestenfalls noch ein paar mehr Sprecher*innen auf der Plattform gibt.

Welche Unterstützung wünschst Du Dir für das Thema und die Plattform speakabled für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Plattform bekannter wird und sich noch viel mehr Sprecher*innen eintragen. Der weitere Wunsch ist dann natürlich, dass speakabled von Veranstalter*innen genutzt wird.

In die weitere Zukunft gedacht, sollen Menschen mit Behinderung allgemein sichtbarer werden, sodass es einfach zur Normalität wird, ganz verschiedene Speaker*innen auf der Bühne oder vor der Kamera zu sehen.


Johannes Mairhofer ist Fotograf, Autor und Berater für digitale Themen. Zu seinen Themen ist er deutschlandweit unterwegs und wünscht sich, eine Welt wie sie uns die Fernsehserie FUTURAMA vorlebt, in der die verschiedensten Lebewesen und Lebensformen gemeinsam neben- und miteinander existieren. Weitere Informationen auf seiner Website. Das Interview führte Mandy Schoßig.


  05.11.2018 - 09:41     Methoden

Mehr Frauen! 3 How tos für eine gute Präsenz auf Podium, Panel & Co.

Immer mehr Frauen aus allen Branchen werden (auch über die Speakerinnen-Plattform) für Bühnenauftritte angefragt. Wie frau sich am besten auf eine Podiumsdiskussion oder einen Panel-Vortrag vorbereitet, beschreiben verschiedene How-tos im Netz. Wir haben Euch drei spannende Artikel zusammengestellt und sind gespannt auf Eure Tipps für Erfolg, Gelassenheit und Spaß auf der Bühne.

Mikrofon
Traut Euch!


„Mehr Frauen aufs Podium! So fühlst du dich auf der Bühne wohl und wirst wahrgenommen“

„Wie bereite ich mich am schlauesten auf einen Vortrag oder eine Teilnahme einer Podiumsdiskussion vor? Wie wirke ich auch mit meiner Kleidung am professionellsten? Kann ich mein Lampenfieber reduzieren? Auf der Bühne komme ich nicht zu Wort; was soll ich tun? Darf ich auf der Bühne Gefühle zeigen? Aus dem Publikum kommt ein scharfer Angriff. Wie reagiere ich souverän?“ Christiane Wolff hat Dos und Dont’s für Podiumsdiskussionen mit Katja Schleicher, Trainerin und Expertin für Public Speaking und Medienauftritte, in Edition F besprochen.


„Auf die Bühne, fertig, los!“

„Die Rituale einer "männlichen Monokultur" kennen. Experten-Tipps für den selbstbewussten Auftritt, zu Körperbotschaften, Revierverhalten und Sprache. Die Botschaft: Seien Sie mutig! Dazu Ursula von der Leyens: „Seien Sie ehrgeizig und verhehlen Sie das nicht. Treten Sie in die erste Reihe, werden Sie sichtbar. Sie können viel mehr, als Sie denken.“ Silke Zorn im Tagesspiegel darüber, wie frau sich selbst in die erste Reihe rücken und den starken Auftritt lernen kann.


„Das Beste was einem auf der Bühne passieren kann, ist eine Panne zu haben“

Unabhängig davon ob Mann oder Frau können wir unsere Performance auf der Bühne immer weiter verbessern. Was „weniger nachdenken“, „nicht partout alles richtig machen wollen“ und „über die Schwierigkeit authentisch zu sein“ damit zu tun hat, wie man und frau erfolgreiche Auftritte absolviert, diskutiert Silvia Follmann im Gespräch mit Führungskräfte-Coach Severin von Hoensbroech ebenfalls auf Edition F.


Und was habt Ihr erlebt? Welches sind Eure Dos und Dont’s für den erfolgreichen Auftritt? Wir freuen uns über Eure Kommentare.


  01.03.2018 - 11:23     Aktionen

Rhetorik, Storytelling und Networking mit den Toastmasters

Ein Gastbeitrag von Daniela Schulz

Über den Reden-Wettbewerb der Rhetorik-Organisation Toastmasters International in Berlin habe ich in meinem letzten Blog-Beitrag schon berichtet. Eine Toastmasters-Konferenz ist aber weit mehr als ein rhetorisches Kräftemessen. Austausch, Netzwerken und voneinander lernen sind ebenso wichtige Programmpunkte. In der Tat, das Rahmenprogramm solcher Treffen besteht aus zahlreichen interessanten Bildungsangeboten.

Speaking in 3-D

Unumstrittenes Highlight der Konferenz war das Seminar „Speaking in 3-D“ des Redenweltmeisters von 1995 Mark Brown. „Speaking in 3-D“ bedeutet, im Redenauftritt die gesamte Persönlichkeit zu Wort kommen zu lassen. Mark Brown ist ein großer Verfechter der Personalisierungstheorie. Das heißt, die Message über die eigene Person zu verkaufen. Sein Credo: „Your life, your story, your message“.

Sketchnotes
Sketchnotes zu "Speaking in 3-D

Für ungeübte oder schüchterne Sprecher*innen ist das eine immense Herausforderung. Allein schon auf der Bühne zu stehen, kostet Viele Kraft und Überwindung. Die Not der Schüchternen und Verzagten sprach die Trainerin Susanne Hake an mit ihrem Workshop „Resilienz für Redner*innen“. Eine einfache Übung hinsichtlich eigener Erfolgsziele bewirkte erstaunlicherweise bei allen Teilnehmer*innen neue positive Gefühle hinsichtlich dieser Ziele. Diese Gefühle gilt es im Gedächtnis abzuspeichern und wieder hervorrufen zu können.

Rock your story

Wenn frau es dann endlich geschafft hat, auf einer Bühne zu stehen, erzählt sie am besten eine knackige Geschichte, wiederum am besten über sich selbst. In ihrem Kurzseminar „Rock Your Story with a Seven Second Pitch“, ermutigte Asa Rydhard uns, in einem einzigen Satz den Kern unseres Business zu kristallisieren. Die ehemalige Pastorin aus Schweden hat sich als Coach auf die Herausarbeitung von extrem kurzen und zugleich erzählerischen Pitches mit ihren Klienten spezialisiert. Geschichten sind ein wesentlicher Bestandteil des Selbstmarketings: „You need to spread these stories in order to make them talk about you.” Ihr Tipp zum Schluss heißt „be original. You need to be more you. No one can copy you!”

Asa Rydhard
Asa Rydhard

Die eigene Geschichte erzählen, das Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. Denn das Geschichtenerzählen oder Storytelling soll genau für das werben, was man gerne tut und letztlich sind es die persönlichen Talente und Erfahrungen der eigenen Person und sonst nichts.

Einen sehr fortgeschritten Eindruck in dieser Hinsicht machte auf mich Garet Garrels. Der Fitnesstrainer aus Montana (USA) trainiert Frauen in Selbstbehauptung. In seinem Vortrag über „Random Gifts Of Art“ berichtete er von seinen Anfängen als junger Boxtrainer in der amerikanischen Provinz. Irgendwann bat ihn eine ältere Dame, sie zu trainieren. Zu diesem Einzeltraining kamen bald ihre Freundinnen hinzu und es entstand eine Gruppe von Frauen, die sich regelmäßig zum Trainieren traf. Schließlich entdeckten sie, dass es beim Boxen nicht allein um körperliche Fitness ging, sondern auch um die Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls. Aus dieser Frauengruppe wiederum entwickelte sich die Idee zum Konzept „Pink Gloves“. Durch körperliches Training und Stärkung des Selbstwertgefühls Frauen will Pink Gloves zum Empowerment von Frauen beitragen.

Mit Resilienz, Fitness, Pitches ab in den Verhandlungsring

Nachdem frau nun Resilienz, Pitch und Fitness in Verbindung mit Boxen gelernt hat, ist sie bereit, in den Verhandlungsring für ihre Selbst-Vermarktung zu steigen. Das Verhandlungs-Seminar von Anja Henningsmeyer erwies sich als überaus hilfreich. Die Kommunikationstrainerin war u.a. viele Jahre im Management für Filmfestivals tätig (Berlinale, Filmfest Hamburg). Die Summe ihrer Verhandlungserfahrungen gibt sie nun an ihre Coachees weiter. Auch in diesem Seminar ging es um das Erkennen der eigenen Fähigkeiten und des eigenen Wertes.

Nach zwei Konferenz-Tagen in Berlin fuhr ich gefüllt mit neuen Inspirationen und neuen Kontakten zurück nach Hamburg. Mitgenommene Vorsätze sind mehr Fitness, mehr Leute treffen, mehr pitchen. Meine nächste Club-Rede über Networking ist schon in Vorbereitung.

[alt img desc](//blog.speakerinnen.org/images/32/DanielaSchulz-Reden-Atelier-_Hamburg.jpg)

Unsere Gastautorin Daniela Schulz schreibt Reden für Politikerinnen und Unternehmerinnen. Außerdem berät sie zum erfolgreichen Auftritt und zu Pitches. Seit vier Jahren ist sie aktiv in mehreren Rednerclubs der Toastmasters International in Hamburg.


  15.12.2017 - 10:32     Aktionen

6 Monate Speakerinnen international erfolgreich abgeschlossen – jetzt seid Ihr dran!

Speakerinnen.org sollte international noch besser nutzbar werden. Diesem Ziel sind wir im vergangenen Jahr einen großen Schritt näher gekommen. 600 Arbeitsstunden haben wir dafür investiert, die über den Prototypefund – finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – gefördert wurden. Hier berichten wir Euch kurz, was wir getan haben und wo wir jetzt Eure Unterstützung brauchen.

Speakerinnen goes international – was wir getan haben

Bisher konnte Speakerinnen.org zwar schon auf Deutsch und Englisch angezeigt werden, die Sprachtrennung funktionierte aber nur für die statischen Inhalte der Seite wie Überschriften, Texte, FAQs etc. Die Profilinformationen der Expertinnen* konnten jedoch nur in einer Sprache angelegt werden – also entweder auf Deutsch oder auf Englisch. Konferenzorganisator*innen, die auf Speakerinnen.org nach Expertinnen* suchten, bekamen alle Informationen in allen Sprachen angezeigt. Das haben wir jetzt geändert: die gelisteten Expertinnen* können nun ihre Profile sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch ausfüllen. Konferenzorganisator*innen bekommen entsprechend die Informationen in der Sprache angezeigt, die sie verstehen.

Außerdem haben wir die Suche angepasst. Die angezeigten Profile in den Suchergebnissen können nun nach Ländern, Städten und Sprachen gefiltert werden. So kommen Suchende mit wenigen Klicks schneller zum gewünschten Ergebnis.
Letzter großer Baustein: Wir haben mehr als 6.400 eingetragene Themen unserer Speakerinnen den Sprachen deutsch und englisch zugeordnet. Sie sollten so nach Sprachräumen besser auffindbar sein und so über die Tagwolken Inspiration sein für Veranstalter*innen oder Journalist*innen. Kurz: Die Seite sollte im internationalen Kontext nutzerfreundlicher werden, damit internationale Konferenzorganisator*innen Expert*innen aller Fachrichtungen noch besser auffinden und ansprechen können.

„Wir haben jetzt die Grundlage dafür gelegt, dass auch weitere Sprachen für Speakerinnen integriert werden können“, freut sich Maren Heltsche, Mit-Gründerin und eine der Programmiererinnen von Speakerinnen.org. „Wir sind zurzeit schon mit Programmiererinnen aus Brasilien in Kontakt, die die Seite gerne dort launchen möchten und hoffen, dass wir die Plattform künftig noch für weitere Sprachen anpassen können.“

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Eure Unterstützung: Profile jetzt überarbeiten

Wir bitten jetzt alle Nutzerinnen* ihre Profile noch einmal anzuschauen. Prüft bitte, welche Inhalte ihr auf Deutsch und Englisch anlegen bzw. ergänzen wollt. Wer beispielsweise an zwei Orten arbeitet, eine englische und deutsche Website betreibt oder wer zwei Twitteraccounts hat, kann die Informationen jetzt in getrennten Feldern eintragen. Auch die Themen und Referenzen können für beide Sprachräume ergänzt werden.

„Zwischen März und August haben sich dann auch direkt mehr als 200 neue Speakerinnen angemeldet“, sagt Anja R., die mit am Internationalisierungsprojekt gearbeitet hat. „Wir hoffen, dass unsere neue deutsch-englische Version von Speakerinnen.org jetzt noch mehr Expertinnen anzieht.“

Bist du schon dabei? Dann schau doch mal ob dein Profil überarbeitet werden muss, wenn nein, registriere dich hier.


  13.06.2017 - 12:38     Aktionen

Redenwettbewerb: Europas Champions

Ein Gastbeitrag von Daniela Schulz

Berlin. Blauer Himmel. Bei fast 30 Grad - und Wochenende. Rund 450 Frauen und Männer verbringen ihre Freizeit freiwillig in einem riesigen, klimatisch abgeschotteten Tagungshotel in Neukölln. Ein Stimmengewirr aus Englisch, Deutsch, Schwedisch, Tschechisch, Ungarisch, Polnisch und mehreren anderen osteuropäischen sowie skandinavischen Sprachen füllt das Foyer. Was ist hier los?

Die Redner*innen der Rhetorik-Organisation Toastmasters International treffen sich zu ihrer Frühjahrskonferenz. Weltweit hat die Organisation 345.000 Mitglieder in 15.900 Clubs. Mit enormer Wachstumstendenz. Vor drei Jahren beschlossen deshalb die europäischen Clubs, sich in zwei große Club-Organisationen zu teilen: Deutschland und Österreich gehören nun zusammen mit Skandinavien, dem Baltikum und Osteuropa zum sogenannten "District 95" - während West- und Südeuropa den "District 59" bilden.

Konferenz-Höhepunkt: Wahl der besten Redner*innen Europas

Ziele der internationalen Toastmasters-Konferenz sind Austausch, Netzwerken und die übliche Vereins-Organisation. Doch der Höhepunkt wird die Kür der besten deutschsprachigen und internationalen (englischsprachigen) Redner*innen Europas sein.

Fünf bis sieben Minuten werden die Redner*innen jeweils Zeit haben, um das Publikum mit Storytelling, Körpersprache und Stimme in den Bann zu ziehen und die Jury von ihren Speaker*innen-Qualitäten zu überzeugen. Die Sieger*in der Kategorie "internationale Reden" wird im August nach Vancouver fliegen, um dort für den Titel der Reden-Weltmeister*in anzutreten.

Vier Frauen und zwei Männer in der Endrunde

Nach mehreren Durchläufen werden in der Berliner Endrunde schließlich vier Frauen und zwei Männer um den Titel ringen. Nach sechs perfekt vorgetragenen Reden gehen die ersten drei Plätze an Denise Banks-Grasedyck (Deutschland), Aleksandra Lewandowska (Polen) und Vanya Eide (Schweden). Alle drei treten mit einer individuellen Geschichte auf. Bei den Mitgliedern der Toastmasters Clubs sind besonders persönliche Geschichten beliebt, die auf ein höheres Ziel verweisen. Beispielsweise erzählt Vanya Eide von ihrer Zirkus-Kindheit und den Hürden, die sich daraus ergeben haben - über ihre Andersartigkeit, die vor allem in der Pubertät zum Tragen kam, und wie sie sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu einer selbstbewussten Frau entwickelt hat. Aleksandra Lewandowska wendet sich gegen Gedanken-Schubladen und Vorurteile. Jede und jeder ist wertvoll und einzigartig und nicht in Geld zu bewerten, ist ihre Botschaft: „Schubladen sind für Dinge da und nicht für Menschen“. Mit ihrer glasklaren Haltung wirkt sie sehr authentisch und überzeugend.

[alt img desc](//blog.speakerinnen.org/images/33/Toastmasters1TSR8554Selection_720x354.jpg)
Gewinnerinnen Vanya Eide, Denise Banks-Grasedyck, Aleksandra Lewandowska
CC BY-SA 4.0 Foto: Tobias Schlosser

Denise Banks-Grasedyck gewinnt den Reden-Wettbewerb

Als unangefochtene Siegerin steht Denise Banks-Grasedyck auf dem Podium. Sie kommt mit einer Geschichte auf die Bühne, die die Verantwortung jedes Einzelnen im Alltag für die Gesellschaft zeichnet. Mit "Why me?" erzählt die aus den USA stammende Berlinerin von ihrer Liebe zu dieser Stadt und von dem zugleich oftmals rauhen menschlichen Klima. Sie schildert die Gleichgültigkeit unter den Menschen, selbst bei dramatischen Vorfällen wie Belästigung und Raub. Beides hat sie selbst erlebt und das sei auch der Grund, weshalb sie weiterhin auf Hilfsbereitschaft und Miteinander setze. Das war ein starker moralischer Appell, der - völlig unverkrampft und mit viel Empathie vorgetragen - umso stärker auf das Publikum wirkte.

Abgesehen von dem aktuellen Thema begeistert Denise Banks-Grasedyck durch ihr sorgfältiges Storytelling. Sie erzählt ihre Geschichte mithilfe mehrerer einzelner in sich abgeschlossener Plots. Ihre Schlussaussage wird dadurch glaubhaft und nachvollziehbar. Dazu kommen die natürlich-selbstbewusste Körpersprache und der stimmliche Variationsreichtum der Rednerin.

All das sind Fähigkeiten, die bei den wöchentlichen Treffen der Toastmasters Clubs trainiert werden. Das geht so: Jedes Clubmitglied erhält bei Eintritt in den Club ein Arbeitsheft, das in zehn Schritten den Kanon der guten Rhetorik enthält. Schritt für Schritt arbeitet sich jedes Mitglied nach eigenem Tempo von einer Aufgabe, sprich Rede, zur nächsten. Am Ende der zehnten Rede wird der Titel "Competent Communicator" verliehen.

Nicht immer brilliert man nach zehn Clubreden so wie die Siegerinnen des Redenwettbewerbs. Doch das regelmäßige Sprechen vor zehn bis dreißig Leuten übt, die schlimmste Scheu vor der Öffentlichkeit abzulegen. Das Sprechen vor Publikum wird mehr und mehr zur Gewohnheit. Meine persönliche Beobachtung über die Jahre ist, dass sich jede, die das Programm durchgearbeitet hat, in ihrer Präsentationsfähigkeit sichtbar verbessert und mehr Präsenz auf der Bühne gewonnen hat. Dasselbe gilt natürlich für die männlichen Kollegen.

Training ist alles

Die Toastmasters Clubs sind ein ideales Forum, um Themen auszuprobieren. Man kann dort auch berufliche Rollenspiele üben und sogar die Moderator*innenrolle. Denn bei jedem Treffen gibt es einen sogenannten Toastmaster des Abends. Er/sie ist verantwortlich für den glatten Ablauf und für die Übergänge der einzelnen Programmpunkte. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Rollen oder Ämtern, die alle das Ziel haben, das Sprechen vor Publikum zu trainieren.

Neben dem Spaß, den man trotz der vielen Regeln des Vereins hat, liegt der Vorteil von Toastmasters International im regelmäßigen, wöchentlichen Rede-Training. Gegenüber einem teuren einmaligen Rhetorikwochenende ist das ein klarer Vorteil und der Vereinsbeitrag ist tatsächlich nicht höher als der Beitrag zum Sportverein. Nun denn, ob Leibesübungen oder Wortakrobatik beides muss trainiert werden.

[alt img desc](//blog.speakerinnen.org/images/32/DanielaSchulz-Reden-Atelier-_Hamburg.jpg)

Unsere Gastautorin Daniela Schulz schreibt Reden für Politiker*innen und Unternehmer*innen. Seit drei Jahren ist sie aktiv in mehreren Rednerclubs der Toastmasters International. Am Anfang stand der Wunsch, sich in die Rolle ihrer Kund*innen einzufühlen, um ihre Perspektive als Redner*innen mehr zu verstehen. Dann entdeckte sie das hohe Netzwerkpotenzial des Clubs und mittlerweile steht sie auch selber gerne auf der Bühne. Ihre Lieblingsthemen sind Nachhaltigkeit und Kaffee als Kultur- und Handelsgut.

Daniela Schulz ist Dipl.-Journalistin und betreibt das Reden-Atelier in Hamburg.


  03.03.2017 - 12:27     Aktionen

Zum Frauentag: Speakerinnen.org jetzt mit öffentlicher Förderung

In den kommenden sechs Monaten widmen sich die Entwicklerinnen verstärkt dem Aufbau und der Programmierung der notwendigen Infrastruktur für die Verbesserung des internationalen Auftritts von Speakerinnen.org. So soll neben der bereits existierenden englischen Sprachversion die einfache Registrierung und Suche in weiteren Sprachen möglich sein.

„Wir haben Speakerinnen.org am Frauentag vor genau drei Jahren gegründet mit dem Ziel, Frauen* in ihrem professionellen Umfeld sichtbarer zu machen – als Expertinnen auf Panels, Sprecherinnen auf Bühnen, als Moderatorinnen und in vielen weiteren Rollen“, sagt Maren Heltsche, Mit-Gründerin der Expertinnen-Plattform. „Wir freuen uns daher besonders, dass wir nun über den Prototype Fund erstmals finanzielle Mittel haben, um in den kommenden sechs Monaten für noch mehr Frauen-Power arbeiten können.“

Bislang arbeiteten die Gründerinnen sowie weitere Unterstützerinnen ehrenamtlich an der Entwicklung, Kommunikation und Verbreitung des Projektes. Die ehrenamtliche Arbeit wird weiterhin eine zentrale Rolle vor allem für die Außendarstellung und Verknüpfung von Speakerinnen.org mit weiteren Initiativen haben.

[alt img desc](//blog.speakerinnen.org/images/31/PrototypeFund-P-Logo.png)

Speakerinnen.org im Prototype Fund
Speakerinnen.org wird als eines von 17 Projekten von März bis August 2017 im Rahmen des Prototype Fund gefördert. Dieser ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Darüber erhalten Einzelpersonen und kleine Teams eine Förderung bei der Erprobung von Ideen und der Entwicklung von Open-Source-Tools und Anwendungen in den Bereichen Civic Tech, Data Literacy, Datensicherheit.

Bei Speakerinnen.org kann sich jede Expertin registrieren und von Veranstalterinnen und Veranstaltern noch einfacher gefunden werden – sie haben keine Entschuldigung mehr für Panels ohne Frauen! Zum heutigen Frauentag sind fast 1.500 Expertinnen* aus allen Fachrichtungen auf Speakerinnen.org sichtbar.